Einsatz in Manhattan – Kieselbronner Feuerwehrangehörige erfüllen sich einen Traum

New York City an sich ist schon eine Reise wert. Doch für viele Feuerwehrangehörige ist es mehr als nur eine Reise in eine Großstadt. Spätestens seit dem 11. September 2001, einem schwarzen Tag in der Geschichte der New Yorker Feuerwehr, ist wohl jedem Feuerwehranghörigen das Kürzel „FDNY“ ein Begriff. Das Fire Departement of New York City ist weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt, die Feuerwehrmänner und Frauen werden verehrt, ihnen wird Respekt und Anerkennung gezollt.

Durch die private Bekanntschaft eines Feuerwehrangehörigen entstand im Jahr 2014 die Idee, eine gemeinsame Feuerwehrreise in die Vereinigen Staaten zu planen. Aus der anfänglichen Idee entstanden recht schnell konkrete Pläne und es kamen einige Interessenten zusammen. Natürlich war klar, ein Schwerpunkt des Besuches wird das Thema Feuerwehr haben, doch die Stadt hat natürlich auch weit mehr zu bieten, weshalb auch die eine oder andere Lebensgefährtin ihr Interesse an der Reise kund tat.

Nach einigen Infoveranstaltungen war klar, 13 Personen (10 Angehörige der Einsatzabteilung und 3 ihrer Partner) werden an der großen Reise teilnehmen, welche über den Zeitraum der bekannten Steuben-Parade gehen sollte. Die Flüge wurden gebucht, es wurden Zimmer in einem Hotel reserviert und das Programm unseres Aufenthaltes wurde fertig geplant.

Dirk Stratmann, Feuerwehrmann aus Bocholt (NRW) war zusammen mit einem Kollegen Anfang der 1990er-Jahre in New York City, als es zu Komplikationen mit ihrem falsch gebuchten Hotelzimmer kam. Die beiden wurden von Feuerwehrmännern aus Harlem eingeladen, die restlichen Tage ihrer Reise auf der Feuerwache in Harlem zu verbringen. Überwältigt von der Gastfreundschaft, begann Stratmann 1993 jährlich Reisen nach NYC anzubieten, um Land, Leute, Kultur, Geschichte und auch die Gastfreundschaft an andere Feuerwehren weiter zu tragen. Er unterstütze uns bei der Planung und Durchführung des Aufenthaltes, dafür noch einmal vielen herzlichen Dank!

Nach langem Warten und großer Vorfreude ging es am Mittwoch, den 14. September 2016 um 3:00 Uhr endlich los. Wir wurden durch zwei Kameraden vom Feuerwehrhaus Kieselbronn mit dem Mannschaftswagen der Feuerwehr und des DRK Kieselbronn an den Stuttgarter Flughafen gebracht, von wo aus wir zum Airport Düsseldorf flogen. In Düsseldorf trafen wir zum Beispiel auf Kollegen der Werkfeuerwehr Miele, welche das gleiche Reiseziel hatten. Über die sozialen Medien teilten wir unseren Daheimgebliebenen im Laufe der Reise täglich mit, wie die Reise verlief und was wir alles sehen und erleben durften.

In New York City gelandet, wurden wir am John F. Kennedy Flughafen von Dirk Stratmann erwartet, welcher uns auf der Busfahrt zu unserem Hotel im Stadtteil Queens bereits einige Tipps und Informationen zum Verhalten und Leben in der Stadt gab. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen und uns gestärkt hatten, wurden wir von unserem Guide Thomas via U-Bahn in das Herzen Manhattans gebracht.

Durch die Grand Central Station, vorbei an der New York City Library ging es auf den Times Square. Das Lichtermeer war einfach überwältigend. Von allen Seiten strahlten Werbetafeln, lockten Läden, es wurde gehupt, Menschen eilten durch die Straßen und uns wurde ziemlich schnell klar, weshalb man sagt, diese Stadt würde niemals schlafen.

Am Donnerstag besichtigten wir Downtown, also den südlichen Teil von Manhattan. Wir starteten an der Brooklyn Bridge, von welcher man einen sagenhaften Ausblick auf die Skyline von Manhattan hat. Weiter ging es mit der Fähre, vorbei an der Freiheitsstatue, nach Staten Island. Auf dem Rückweg hatten wir erneut einen unglaublichen Blick auf den Hafen und die Stadt. Im Verlauf des Vormittages besuchten wir zum ersten Mal den Ground Zero, auf welchem bis zum 11. September 2001 die beiden Zwillingstürme des World Trade Center standen. Auch der Feuerwache Ten House, die sich unmittelbar neben dem Ground Zero befindet, wurde ein Besuch abgestattet.

Nachdem wir die Wallstreet hinunter gegangen waren und an der Feuerwache der Wallstreet Bulls einige interessante und nette Gespräche hatten, wurde es Zeit für unser Mittagessen. Bis zum Ende des Tages sollten wir bei unserer Besichtigung immerhin knapp 18 km Fußmarsch zurückgelegt haben. Am Mittag ging es, vorbei an Little Italy, nach Chinatown. Hier wurde die Feuerwache Chinatown von uns in Augenschein genommen, auf welcher u.a. das Löschfahrzeug (Engine) 9 und Drehleiter (Ladder) 6 ihren Dienst versehen. Alleine Engine 9 fährt im Jahr ca. 2650 Einsätze, was uns nur wenige Minuten später verdeutlicht wurde, als während der Führung durch die Wache plötzlich Alarm ausgelöst wurde. Da an der Feuerwache die Tagestour endete, gingen manche noch shoppen, während andere bereits wieder das Hotel aufsuchten.

Am Abend trafen wir uns in Jacks Fire Departement, einem Pub im Feuerwehrstyle. Hier hatten wir unter anderem Kontakt mit Kollegen aus Bayern und aus Frankreich, welches zu einem regen Austausch und vielen Gesprächen führte.

Freitags stand uns die Midtown-Tour bevor. Es wurden diverse Sehenswürdigkeiten besucht, beispielsweiße das Rockefeller Center, vor welchem im Winter der berühmte New Yorker Weihnachtsbaum steht. Ebenso besichtigten wir den Trump Tower, die St. Patricks-Kathedrale, den Fire-Zone Shop (den offiziellen New Yorker Feuerwehr-Fanshop) und den Central Park. Nach dem Essen in einem irischen Pub ging es zu der bekannte Feuerwache 23 und „Macys“ Kaufhaus, einem der größten Kaufhäuser der Stadt. Zum Abschluss unserer Tagestour gab es noch ein Highlight, den Besuch des Empire State Buildings. Bei strahlendem Sonnenschein hatten wir von der Dachterrasse einen sagenhaften und uneingeschränkten Blick bis an den Horizont. Und auch an diesem Tag waren es anstrengende 17 km Fußmarsch für uns, welche sich aber definitiv gelohnt haben.

Dass ein Feuerwehrmann nie wirklich frei hat, zeigte der Samstagmorgen. Im Kreuzungsbereich vor unserem Hotel ereignete sich ein Unfall zwischen zweier PKW, bei welchem 3 Angehörige der Feuerwehr Kieselbronn einen Fahrer aus seinem Fahrzeug befreiten und Erste Hilfe leisteten, bis die Rettungskräfte eintrafen.

Nach dem Frühstück folgte ein weiterer Höhepunkt unserer Reise, die Steuben-Parade. Was wir hier erleben durften, war einfach unglaublich. Tausende fremde Menschen entlang der 5th Avenue, die uns feierten, uns gewunken haben und sich für die ehrenamtliche Arbeit bedanken. Leider ist ein „Danke“ bei uns Zuhause selten geworden. Nach der Parade wurden wir vom deutsch-amerikanischen Verein zum Essen eingeladen, bevor es weiter in den Central Park ging. Hier wurde das größte Oktoberfest der USA bei ausgelassener Stimmung gefeiert. Und auch hier gab es einige bewegende Momente. Zum Beispiel, als die deutsche und amerikanische Nationalhymne gespielt wurden. Als sich der letzte Teil unserer Gruppe am Abend auf den Nachhauseweg machte, war ein dumpfer Knall zu vernehmen. Aus den Medien erfuhren wir wenige Minuten später, dass es sich dabei um einen terroristischen Anschlag gehandelt hatte, bei welchem leider 29 Menschen verletzt wurden. Noch in der Nacht, und am darauf folgenden Tag, meldeten sich viele Familienangehörige sowie Freunde und Bekannte aus Deutschland, ob wir unversehrt seien, was wir glücklicherweise bestätigen konnten.

Der Sonntag stand dann zu unserer freien Verfügung, konnte also von jedem selbst gestaltet werden. Nach kurzer Rücksprache mit den Reiseleitern wurde klar, dass es auf Grund der Geschehnisse in der Nacht keine größeren Einschränkungen gab und man trotz der Anspannung von einer sicheren Lage sprach. Somit ließen wir uns die Laune nicht verderben und starteten zu unseren ausgewählten Zielen. Die eine Hälfte der Gruppe startete mit einem Rundgang auf dem Flugzeugträger Intrepid und dem Space Shuttle Enterprise. Danach ging es weiter zum 9/11 Memorial Museum am Ground Zero, wo ein emotionaler und eindrücklicher Rundgang durch die Geschichte der Twin Towers ein sehr bedrückendes Gefühl auslöste. Und das nicht nur bei uns, sondern allen Besuchern. Bisher war alles, was wir davon sahen, nur in Filme oder Bilder aus den Medien. Doch hier war es real und zum Greifen nahe. Ein Ort, der auch 15 Jahre nach dem schlimmen Ereignissen viele Menschen zu Tränen bringt. An der Gedenkstätte, neben dem neuen „One World Trade Center Tower“ startete auch der zweite Teil unserer Gruppe, welche im Anschluss noch einige Kaufhäuser besuchten und einen wunderbaren Ausblick vom „Top oft the Rock“, der Aussichtsplattform des Rockefeller Centers, genießen konnten. Den restlichen Tag verbrachten wir mit einer kleinen Shoppingtour und trafen uns am Abend  zum gemeinsamen Essen wieder.

Unser „letzter“ Tag stand ganz im Zeichen der Feuerwehr. Zuerst besuchten wir die Feuerwehrakademie „The Rock“, an welcher sämtliche Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen von New York aus- und weitergebildet werden. Zu Ehren der am 11. September 2001 verstorbenen Kameraden vom New York Fire Department haben wir an der Gedenkstätte in der Feuerwehrakademie einen Kranz niedergelegt und eine Schweigeminute abgehalten. An der Gedenkwand sieht man die Bilder der 343 verstorbenen Feuerwehrmänner. Hier halten auch die Feuerwehrschüler täglich inne, damit 9/11 niemals in Vergessenheit gerät, und sie sich erneut bewusst machen, wie gefährlich diese Arbeit ist. Im Anschluss ging es zu der bekannten Feuerwache in Harlem, wo das Löschfahrzeug (Engine) 37 und Drehleiter (Ladder) 40 stationiert sind. Anfang der 1990er-Jahre wurde hier der Dokumentarfilm „Feuerfront Harlem“ gedreht, welcher heute vielen Feuerwehrleuten noch bekannt ist. Nach dem Mittagessen in einem Barbecue-Grillhaus mit exzellenten Rippchen und weiteren Leckereien ging es weiter in die Bronx. Natürlich besuchten wir die Kameraden der Wache, auf der auch einer unserer Tour Leiter des Tages in seinem Hauptberuf arbeitet. Hier konnten wir erneut interessante Gespräche führen, die Fahrzeuge und Gerätschaften genau inspizieren und uns bei Übungen und Vorführungen einige Tricks für die Praxis aneignen.

Nach der Rückkehr ins Hotel machten sich die Damen auf den Weg in das große Einkaufszentrum von Queens, während die Männer sich zur Wache in Queens begaben, wo wir Rüstwagen (Rescue) 4 und (Engine) 292 antrafen und in Augenschein nehmen konnten. Während der Besichtigung musste die Besatzung von Löschfahrzeug 292 zur Unterstützung bei einem Wohnungsbrand in den Nachbarbezirk ausrücken, was noch einmal die Einsatzzahlen der Wache von knapp über 6000 Einsätzen im Jahr deutlich machte. Am Abend kehrten wir ein letztes Mal in Jacks Fire Departement ein, wo wir jeder Zeit herzlich willkommen waren.

Am Dienstag stand unsere Abreise bevor. Nach dem gemeinsamen Frühstück in einem klassischen amerikanischen Diner nutzen wir die restliche Zeit bis zum Abflug, um nochmal in die Stadt zu fahren und letzte Mitbringsel für Zuhause zu besorgen. Nachdem wir uns im Hotel von den anderen Reisenden verabschiedet hatten, ging es dann am Mittag mittels eines Busses zum John F. Kennedy-Flughafen, von wo aus unser Heimflug nach Düsseldorf startete. Nach einem (fast) ruhigen Flug landeten wir am Morgen pünktlich am Düsseldorfer Airport. Nach kurzem Aufenthalt ging es dann weiter zum Flughafen Stuttgart, wo wir bereits kurz nach unserer Landung wieder mit den Mannschaftswagen von Feuerwehr und DRK Kieselbronn abgeholt und ins Feuerwehrhaus nach Kieselbronn gebracht wurden.

Diese Reise wird uns allen noch lange in Erinnerung bleiben und für genügend Gesprächsstoff in den nächsten Wochen sorgen. Und auch unsere Mitbringsel (unter anderem diverse T-Shirts und Abzeichen) werden uns noch lange an dieses unglaubliche Erlebnis erinnern.

Wir können einen Besuch dieser Großstadt nur empfehlen, sollte sich einmal die Möglichkeit dazu ergeben. Egal wo wir waren, wir wurden offen und herzlich empfangen.

Text: Julian Herwig
Bilder: Christoph Herwig

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